Prolog
Translatorisches Handeln,
insbesondere jenes von Literaturübersetzern, als ein Objekt der Wissenschaft zu
betrachten, davon wird in akademischen Kreisen relativ wenig Gebrauch gemacht.
Wenn doch, so wird reflektorisch auf ein Ergebnis des Könnens verwiesen, dieses
gerne kritisch analysiert und von Theoretikern an bestimmten Verfahrensweisen
und reduktionistischen Theorieansätzen gemessen und darüber hinaus auch gerne
die Theorieresistenz der literarischen Übersetzer bemängelt. Man könnte zu
dem Schluss gelangen, literarische Übersetzungsarbeit sei nur die Konsequenz
eines individuellen semantischen und empathischen Kompetenzgefüges und nur
literatursemiotisch zu beschreiben.
Auch bestünden die
Alltagsprobleme der Translatoren nur aus dem Kampf mit lexikalischen,
syntaktischen und pragmatischen Unterschieden zwischen den Sprachen. Reflektiert
würde im wesentlichen hinsichtlich der Sprachkontraste über eine große
Vagheit und unterschiedlichen tautologischen Rhetoriken einzelner Sprachen. Übersetzen
sei daher ein Entdeckungsprozess und wissenschaftlich nicht fassbar und nur als
praxisrelevante Übersetzungsdidaktik und höchstens an einer theoretisch
objektivierbaren Übersetzungskritik manifestiert oder aber im sinnlichen
kommunikativem Handeln zwischen Autor und Zielpublikum zu suchen?
Dass ihre Arbeit, das Übersetzen
subjektiv geprägt, und ein Interpretieren sei, darauf legen die literarischen
Translatoren alle großen Wert und betonen ihren subjektiven
Interpretationsspielraum. Die Fähigkeit zum Kopftheater, Gefühlstheater, Körpertheater
sei die Voraussetzung für das Literaturübersetzen. Die transpersonale
Psychologie, das Interesse am Kennenlernen und das Einfühlen in die einzelnen
Autoren ist der Grund, weshalb die Übersetzer so wenig Interesse an
abstrakteren translations-theoretischen Überlegungen haben, während ihnen etwa
sprachlich-grammatische und lexikalische Dinge sehr wichtig erscheinen.
Die fiktionale Welt und
die erzählten Inhalte werden nicht körperlos wiedergegeben, der literarische
Text bindet seine Botschaften an die Präsenz eines Körpers, einer Stimme,
eines Tons, eines Ichs und dennoch wird der Übersetzer zum Agieren in einer
virtuellen Welt gezwungen, ja genötigt, eine Art "Film im Kopf"
ablaufen zu lassen, um den aggressiven, ironischen, bitteren oder gemütlichen
Ton des Erzählers oder der Figuren zu erschließen. Er agiert im Spagat
zwischen zwei Welten, seiner Wahrnehmung und den Veränderungen seiner Gedanken,
zwischen seiner Wirklichkeit und den Vorstellungen des Autors. Nicht eine
wissenschaftliche Abstraktion wird die Basis zwischen Autor und Übersetzer,
sondern ein virtueller Prozess vollzogen, durch den das Fremde zum Eigenen wird,
und dies scheint die Grundvoraussetzung zum literarischen Übersetzen zu sein. (Literatur)
Helmuth Sagawe
littérature mineure: (veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Autoren!)
Im Spagat zwischen Zebra und Kuh (Regina Keil)
Literatur
oder Geschichtslektion? (Heinz
Hug)
Die
deutsche Übersetzung von Ahmadou Kouroumas Allah
n’est pas obligé
Erwiderung auf Herrn Hugs Kritik.
(Edgar Bracht)
Als zuständiger Lektor weise ich Ihre
Kritik an der Übersetzung des Romans
„Allah n’est pas obligé“ als grob
vereinfachend und erschreckend zurück ...
La
« traduction en marche »
(Regina Keil) La main de
Fatima - Die Hand der Fatima. (Regina
Keil)
Erfahrungen und Überlegungen beim Übersetzen maghrebinischer
Literatur französischer Sprache
Problématique du
transfert culturel dans la traduction/réception de littérature maghrébine
d’expression française en allemand. 5 Bemerkungen zur Übersetzungs- und
Rezeptionsproblematik maghrebinischer Literatur: Nach einem Kurzüberblick über Rezeptionsmoden und
-mechanismen maghrebinischer Literatur französischer Sprache im deutschen
Sprachraum wird hier, vor dem Hintergrund des hybriden Charakters der
frankophonen Literatur des Maghreb und aus einer langjährigen Übersetzungs-
und Unterrichtspraxis heraus, ein didaktisches Raster zur Identifizierung,
Systematisierung und (ansatzweisen) Lösung rekurrenter Übersetzungsprobleme
vorgestellt.
Übersetzungskritiken - Kritik-Diskussion
Claude Simon: Das Gras. Roman. Aus dem Französischen von Eva Moldenhauer.
Dumont-Verlag, Köln 2005. 206 S., Fr. 41.-.:
Bei Neuübersetzungen bereits kanonisch gewordener Texte mag es
näher liegen
als bei anderen Büchern, auf die Qualität der Übersetzung einzugehen,
trotzdem ist es erfreulich, wenn sie solche Beachtung erfährt:
"Für die jetzt erschienene deutsche Übersetzung von 'L'Herbe' zeichnet
wieder einmal Eva Moldenhauer verantwortlich, der an dieser Stelle auch ein
Sonderlob gebührt. Die deutsche Erstübertragung von Erika und Elmar Tophoven
aus dem Jahre 1970 ist beileibe nicht schlecht, doch Moldenhauer ist, wie auch
schon bei den Neuübersetzungen zu Claude Simon aus den letzten Jahren erkennbar
war, schlichtweg präziser im Detail; beispielsweise haben sich an einer Stelle
des Romans die 'Trompeten des Jüngsten Gerichts' nunmehr richtigerweise in
'Posaunen' verwandelt. Warum freilich schon in der alten Übersetzung ein 'bouquet
d'arbres' nicht einfach, so wie jetzt, als 'Baumgruppe' identifiziert werden
konnte, sondern zum 'Pappelwald' geadelt wurde, ist nicht zu sagen. Moldenhauers
Übersetzung wirkt im Vergleich harmonischer, d. h. syntaktisch geschmeidiger
und semantisch eleganter. Bei der Schilderung eines tanzenden Insektenschwarms
im abendlichen Sommerlicht heisst es etwa in der Erstübersetzung: '(...) wobei
die Insekten immerzu kreisten und dabei ihre unvorhersehbare Flugfigur, diese
unvorhersehbare Strähne mit den eigenen plötzlichen Richtungsänderungen
verflochten, es war ein dreidimensionales Umherschweifen ...', was spätestens
dann ungelenkig [sic] wirkt, wenn man Moldenhauers Lösung vorliegen hat: '(...)
wobei die Insekten immerfort kreisen, das unvorhersehbare Gebilde ihres Flugs,
das unvorhersehbare Gewirr mit den unvorhersehbaren Richtungswechseln verwebend,
ein dreidimensionales Umherirren ...'
Die Eleganz, auf die nun mehr Rücksicht genommen wurde, ist nicht unwichtig
bei einem Text, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, stets skrupulös seine
Bedeutungen auszuloten. 'Das Gras' erzählt ja etwas, das sich mit dem Schreiben
(beziehungsweise mit der Lektüre) erst ergibt. Es geht direkt um sprachliche
Schöpfung, in einem emphatischen Sinne: um Sprachkunst.
Moldenhauer, und hier stimmt das Wort ausnahmsweise einmal, ist die
kongeniale Übersetzerin Simons. Man kann auch sagen: ein Glücksfall."
(Neue Zürcher Zeitung, 31.5.2005, S. 43; vgl.
http://www.nzz.ch/2005/05/31/fe/articleCQ8P0.html
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